Erntedank-Gottesdienst: Teilen und Ankommen.
Am Freitag, den 16. Oktober 2026, um 9 Uhr morgens feierte die Evangelische Schule (Gymnasium und Oberschule) Frankfurt (Oder) ihren Erntedankgottesdienst in der St.-Gertraud-Kirche. Unter dem Motto „Ankommen“ kamen alle Schüler*innen sowie zahlreiche Eltern und Angehörige zusammen.
Der Gottesdienst wurde von Pfarrerin i.E. Jennifer-Christin Hein gemeinsam mit Schüler*innen der Schule gestaltet. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von einem Bläserchor aus der Region sowie vom neu gegründeten Schulchor unter der Leitung der Musiklehrerin Friederike Hoffmann.
Den Auftakt machte der Bläserchor mit dem kraftvollen Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“. Im Verlauf des Gottesdienstes sangen alle gemeinsam die Lieder „Wo Menschen sich vergessen“, „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt“, „Swing low, sweet chariot“, „Bewahre uns, Gott“ und „Du bist mein Zufluchtsort“ / „You are my Hiding Place“.
Ein besonderer Moment war der erste öffentliche Auftritt des Schulchors. Von der Empore aus sangen die Schülerinnen und Schüler „Bunt sind schon die Wälder“ und „The Lion sleeps tonight“ (ursprünglich 1939 von Solomon Linda geschrieben und durch The Tokens weltweit bekannt gemacht). Besonders letzteres Lied sorgte für eine heitere und mitreißende Stimmung auf den Bänken.
Das leere Stuhl und die Frage nach dem Ankommen
Im Mittelpunkt der Predigt stand die Geschichte vom verlorenen Sohn (Lukas 15) – und ein leerer Stuhl im Altarraum. Pfarrerin Hein und die mitwirkenden Schüler*innen entwickelten daraus Gedanken zum Thema Zugehörigkeit, Verlorensein und dem eigenen Platz:
„Dieser Stuhl ist frei. Eigentlich eine ganz einfache Sache. Ein leerer Stuhl. Man könnte sich hinsetzen. Aber stellt euch vor, ihr kommt in die Mensa. An einem Tisch sitzen Leute, die ihr kennt. Ein Stuhl ist noch frei. Ihr fragt: ‚Kann ich mich dazusetzen?‘ Und jemand antwortet: ‚Hier ist schon besetzt.‘ Oder schlimmer noch – niemand sagt etwas. Aber die Blicke reichen, damit ihr versteht: Hier bist du nicht gemeint, hier bist du nicht willkommen.“
Hein betonte, dass man nicht weit weggehen müsse, um sich zu verlieren – und dass Zuhause nicht immer eine Adresse sei:
„Vielleicht ist Zuhause ein Mensch, bei dem ich nicht erklären muss, warum ich heute traurig bin. Vielleicht ist es eine Freundschaft, in der ich keine Rolle spielen muss. Oder ein Moment, in dem ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder spüre: Hier darf ich sein. Hier muss ich mich nicht verstellen. Hier bin ich willkommen.“
Die Geschichte des Vaters, der beiden Söhnen entgegengeht, wurde als Bild für einen Gott gedeutet, der Menschen sieht und einlädt – unabhängig davon, wie erfolgreich sie sind oder wie sehr sie sich verirrt haben.
Erntedank und ein Platz am Kreuz
Zum Erntedankgedanken hieß es: „Und vielleicht ist das heute unser Erntedankgedanke: Dankbar sein für die Menschen, die uns einen Platz geben. Und selbst zu Menschen werden, bei denen andere ankommen dürfen.“
Im Altarraum stand ein temporäres Holzkreuz. Die Gottesdienstteilnehmer*innen konnten dort Zettel mit Wünschen, Hoffnungen, Bitten oder Dankbarkeit ablegen – oder auch einfach eine Kastanie als stilles Gebet niederlegen. Eine Kastanie, so wurde erklärt, sei klein und unscheinbar und trage doch etwas in sich, aus dem einmal ein großer Baum wachsen könne.
Am Ende des Gottesdienstes sang die Gemeinde gemeinsam „Bewahre uns, Gott“, bevor der Segen empfangen wurde.
Der Gottesdienst machte deutlich, dass Ankommen nicht erst dann beginnt, wenn alles perfekt ist oder man den eigenen Weg schon klar vor Augen hat – sondern in dem Moment, in dem jemand sagt: „Komm. Hier ist noch Platz für dich.“
Spenden und Unterstützung für die Tafel in Frankfurt (Oder)
Im Vorfeld des Gottesdienstes war die Schulgemeinde um Spenden für die Tafel gebeten. In der Schule wurden diese Spenden gesammelt. Unmittelbar vor dem Ferienbeginn kamen Mitarbeitende der Tafel in die Schule, um die Spenden entgegenzunehmen. Ein herzlicher Dank gilt allen, die mit ihrer Spende die wichtige Arbeit der Tafel unterstützen!
Die Evangelische Schule Frankfurt (Oder) bedankt sich bei Pfarrerin Jennifer-Christin Hein, den mitwirkenden Schüler*innen der Gottesdienst-AG, dem Bläserchor, dem Schulchor unter Leitung von Friederike Hoffmann sowie allen, die den Gottesdienst mitgestaltet und mitgefeiert haben.








